Osteogenesis imperfecta

Informationen für Betroffene und Angehörige

Therapie von Osteogenesis imperfecta

Da die „Glasknochenkrankheit“ genetisch bedingt ist, beschränken sich die Behandlungs- und Therapiemöglich-keiten auf die Symptome der Krankheit. Dabei wird versucht, die akuten Beschwerden des Patienten zu lindern und Spätfolgen zu verhindern beziehungsweise einzudämmen. Die Therapie von OI besteht aus orthopädischen, medikamentösen und physiotherapeutischen Maßnahmen.

Die Marknagelung

Die sogenannte Marknagelung ist eine gängige orthopädische Therapietechnik bei Osteogenesis imperfecta und die einzige Möglichkeit, die durch die häufigen Knochenbrüche vorhandenen Deformierungen zu begradigen und zu stabilisieren. Hierzu wird der Knochen im Rahmen einer Operation in mehrere Stücke zergliedert (osteotomiert), um die Knochenglieder perlenschnurartig auf einen Marknagel achsengerecht aufzuziehen. Nach Einführung dieser Operationsmethode musste der Nagel regelmäßig ausgetauscht werden, weil die Knochen durch Wachstum länger wurden als der Nagel und die fehlende Stützkraft des Nagels an den überhängenden Stellen zu neuen Frakturen geführt hat. 1963 wurde ein Teleskopnagel konstruiert, der sich teleskopartig aus-einander zieht und so „mitwächst“. Alternativ zum Marknagel kann auch je nach Patientenalter und Knochen-durchmesser Draht verwendet werden.

Kontraindikationen zur Marknagelung

Die Marknagelung ist eine sinnvolle Therapiemaßnahme bei wiederholten Frakturen desselben Knochens, so-genannter „Falschgelenke“ (Pseudarthrosen) und schweren Knochenfehlstellungen, die die Gliedmaßen funktionell beeinträchtigen. Liegt aber beim Patienten ein so schlechter Allgemeinzustand vor, dass Operationen zu belastend wären oder fehlen Verankerungsmöglichkeiten des Nagels aufgrund mangelnder Knochensubstanz, ist von einer Marknagelung abzuraten.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie wird erst seit circa 15 Jahren zur Behandlung von Osteogenesis imperfecta an-gewandt und ist noch nicht abschließend erforscht. Verwendet werden sogenannte Bisphosphonate, die die-jenigen Zellen hemmen, deren natürliche Aufgabe der Knochenabbau ist. Dadurch nimmt die Knochenmasse zu und die Knochen werden stabiler. Knochenbrüche an Armen, Beinen und der Wirbelsäule nehmen so ab. Gleichzeitig können auch die bei vielen Patienten vorkommenden Knochenschmerzen vermindert werden und zu steigender Mobilität, gerade von Kindern und Jugendlichen mit OI, führen. Über eventuelle Spätfolgen liegen noch keine gesicherten Ergebnisse vor. Alternative erfolgreiche medikamentöse Behandlungsmethoden gibt es zurzeit nicht.

Physiotherapeutische Behandlungsmaßnahmen

Lange war in der Behandlung der „Glasknochenkrankheit“ Ruhigstellung eine Maßnahme, von der man annahm, dass sie Knochenbrüche vermeiden würde. Anfang der siebziger Jahre wurde klar, dass die Immobilität der Patienten aber eher zum Abbau der Knochen als zur Verbesserung des Krankheitszustands führt. Seitdem spielt die Physiotherapie bei der Behandlung der OI eine bedeutende Rolle, auch wenn es aufgrund der Unterschiedlichkeit des Krankheitsverlaufs kein einheitliches Behandlungskonzept gibt. Jeder Patient wird individuell so behandelt, dass die Physiotherapie, die einmal pro Woche stattfinden sollte, die Muskulatur stärkt und Fehlhaltungen sowie Gelenkversteifungen vermeidet. Gleichzeitig wird der richtige Umgang mit Hilfsmitteln eingeübt.

Barbara Kliem

lungenemphysem.info bookmarken

Weitere Artikel im Bereich Therapie:

Therapie von Osteogenesis imperfecta

Der Startartikel in diesem Bereich gibt Ihnen einen allgemeinen Überblick über die therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung des Osteogenesis imperfecta.

Informationen zu Orthopädische-Erkrankungen auf Curado.de

  • Ultraschall der Nerven spürt unentdeckte Ursachen auf
    Ist ein Mensch an den "peripheren Nerven" erkrankt, weist er meist Schmerzen, Gefühlsstörungen oder sogar Lähmungen an Armen oder Beinen auf. Am häufigsten entstehen die Schäden durch Nervenquetschungen im Ellenbogen oder im Handgelenk. Hier ist das "Karpaltunnelsyndrom" die bekannteste Erkrankung. Aber auch andere Ursachen wie Entzündungen, Unfall- oder OP-bedingte Verletzungen und Tumore spielen eine große Rolle.
  • Schief abgelaufene Schuhe sind selten ein Grund zur Sorge
    Frankfurt/Main/Wuppertal (dapd). Wer über seine Fußgesundheit Bescheid wissen möchte, sollte mal genau seine Schuhe anschauen. Wie sehen die Absätze aus, wo sind sie abgelaufen? "Es ist normal, dass Schuhe sich ablaufen, aber es gibt ein richtiges und ein falsches Ablaufen", sagt Ingo Tusk, Orthopäde aus Frankfurt am Main und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP).
  • Neue Stromtherapie bei Lähmungen
    Wie kann eine Stromtherapie Bewegungsstörungen verbessern? Die Zauberformel heißt "GABA und Glutamat". Diese beiden Botenstoffe beeinflussen das motorische Lernen des Gehirns. Mit einer neuen Therapie, der sogenannten "transkraniellen Gleichstromapplikation", werden die beiden Botenstoffe reguliert. Die Patienten können dadurch motorische Übungen einfacher lernen und ausüben.
  • Sport mit künstlichen Gelenken
    Gerade Menschen mit künstlichen Gelenken sollten nicht auf Sport verzichten. Denn er wirkt sich positiv auf die Knochenstruktur aus. Neuen Studien zufolge erhöht er sogar die Lebensdauer der sogenannten Endoprothesen. Für die Betroffenen empfehlen sich Sportarten, die die Ausdauer, Kondition und Muskelkraft verbessern und die Gelenke nicht zu stark beanspruchen.